Abschied vom Kreis Lippe

Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Zukunftsfragen im ländlichen Raum vom 06. Juni 16 im Sitzungsraum des Kreishauses unter Punkt Verschiedenes:

s.g. Frau Vorsitzende Vieregge, meine lieben Kollegen und Kolleginnen

Sie wundern sich sicherlich über die Batterie der kleinen Jägermeisterfläschchen, die hier vor mir auf dem Tisch stehen. Als Jäger tranken wir gern so Einen oder auch Zwei und am liebsten bereits vor dem Anblasen einer gemeinschaftlichen Jagd. Nun, das gehört zur Historie und ist heute vorbei. Eine „Mörderbande“, die auch noch Alkohol trinkt, das geht wohl gar nicht, meinen unsere besorgten Grünen und schufen ein neues strenges Jagdgesetz.

Heute machen wir´s nach dem Abblasen und das auch nur, wer gern einen möchte.

Und nun Folgendes: Ich habe letzte Woche meine Linke Fraktion gebeten, mich von meinen Ehrenämtern zu entbinden und so ist dies mein letzter Akt zumindest hier im Wirtschaftsausschuss des Kreises Lippe. Ich werde aus persönlichen Gründen meinen Posten für ein jüngeres Fraktionsmitglied freimachen und das schon vor Ablauf dieser Periode. Der Vorteil für solche Methoden ist, das sich der Neue schon mal warmlauten kann.

Ich bin leider nicht so berühmt, wie unser geschätzter Landrat Frieden Heuwinkel und bekomme sicherlich auch keinen zweitägigen Bahnhof für einen standesgemäßen Abgang. Gestatten Sie mir als ganz kleiner, unbedeutenden Hinterbänkler jedoch 10 Minuten für Worte des Abschieds. Wenn man als Linker und darüber hinaus als Neuling in ein eingespieltes Parlament eindringt, dann heißt das natürlich sofort: Ach der Linke schon wieder, oder auch, der hat doch eh keine Ahnung. Stimmt? Das ist normal, das ging damals Herrn Loke, das ging allen Grünen nicht anders und das werden die Damen und Herren der kommenden AFD auch noch merken.

Nun aber, wer hat von uns Ahnung, wer hat keine?

Rudolf Krome (CDU)
Rudolf Krome (CDU), Quelle: wikimedia

Ein bisschen Weh tut einem das schon, wenn man es so direkt ins Gesicht bekommt und so googelte ich letzte Woche wieder einmal so hinter mir her und suchte im Internet nach einigen meiner vergangenen Heldentaten. Dabei stieß ich auf ein bereits vergessenes Bild meines Vaters, ebenfalls Rudolf Krome. Dein Kandidat Rudolf Krome CDU steht auf dem bereits historischen Wahlplakat in großen Lettern. Frau Vieregge, keine Angst keiner will sie vom Platz eins der CDU in Lippe verdrängen.Es war halt einer Ihrer Vorgänger, der allerdings hier im roten Lippe scheiterte, was ich Ihnen natürlich nicht gönne.

Dieser bekanntere Mann, war o. a. jedoch der erste Bürgermeister der Gemeinde Brokhausen und ich war ab sofort und das bereits mit 6 Jahren, sein Gemeindebote. Kommunalpolitik habe ich also bereits vor über 60 Jahren life erleben dürfen und sie verfolgte mich seither ununterbrochen bis heute. Durch alle Gebiets- und Verwaltungsreformen. Als Wahlhelfer, als Mitglied im Stadtparlament, oder als Kellner bei Feierlichkeiten runder Geburtstage meines Vaters, mit so allerhand lippischer Prommis. Parteiübergreifend, vom Parteifreund bis zum Regierungspräsidenten. Dort erlebte ich, wie unter Einfluss einiger Tropfen des guten Jägermeisters, Politik geht, wie Seilschaften geknüpft, nach dem Motto, gibst Du mir geb ich Dir. In diesem Punkt zumindest sind wir Männer den Frauen gegenüber haushoch überlegen. Ich erlebte die Grundsteinlegung des Klinikums, die neue Ausrichtung der Sparkasse, sowie der Zentralverwaltung „Burg Lotzenstein“. Berufsbedingt habe ich während der Zeit der tiefgreifenden Kommunalreformen auf den oberen Verwaltungsebenen Platz genommen, und viele Kommunen, Kreise und Versorgungsbetrieben für eine neue Aufbauorganisation zur Seite gestanden. Sparkassen- Stadtdirektoren oder auch Menschen mit ähnlichen Funktionen, wie Schwarze oder Breitemeier gehörten zu meinen Zuhörererkreisen.

Das hatte natürlich Gründe und weniger mit meiner Schlauheit zu tun:

Unter dem Druck in den achtziger und neunziger Jahre, durch die zunehmende Japanischen Konkurrenz, suchte die Deutsche Wirtschaft nach Ursachen für diese angeblich wachsende Bedrohung auf dem Weltmarkt. Mann erkannte diesmal recht schnell, dass das Übel wohl nicht wie immer angenommen, auf der Wertschöpfungsebene, zu suchen war, sondern auf den Komfortzonen einer aufgeblähten Verwaltung, besser bekannt als Wasserkopf. Der sogenannte Taylorismuss  (die eine Ebene arbeitet, die andere denkt), war jahrelang Auslöser dieser negativen Entwicklung und ist bis heute nicht ganz überwunden. Die Japaner waren wohl keine große Innovationswunder, sie schufen nicht viel Neues, sondern verbesserten lediglich kontinuierlich. Sie waren Teamfähiger und Veränderungsbereiter. Begriffe, wie Kaizen, TQM, KVP, Leanrnmanagement und Leanproduktion machten Schlagzeilen in Europa. Und so langsam kamen auch die Kommunen unter dem Einfluss schwindender Einnahmen dahinter, dass sie wohl etwas falsch machten.

Wir Weidmüller waren wie immer 10 bis 20 Jahren in Unternehmenskulturellen Dingen den Kommunen voraus, so dass man uns gern als Berater anforderte und so reiste auch ich als damaliger Personal- und Organisationsentwickler durch den deutschsprachigen Raum Europas.

Die Kommunen erlebte ich lange Jahre als Keimzelle der Demokratie. Doch heute müssen wir erkennen, dass ihre Abgeordneten aus Städten und Kreisen immer mehr in die Defensive gedrängt werden und lediglich auf einfachen Verwaltungs- und Dienstleistungsarbeiten aus Mangel an Masse hängen bleiben.

Denn, ohne Moos ist bekanntlich nix los.

Und dort wo noch politischer Einfluss möglich ist, herrschen feste Vorgaben, wie z. B. bei Zuweisungen von Land- und Bundesmitteln, oder noch schlimmer, wir verschanzen uns hinter die verschlossenen Türen einer kommunalen GmbH.

Wie oft schimpfen wir über die Horrorgehälter unserer Fußballstare. Doch im Gegensatz zu uns, werden sie an jedem Wochenenende in die Arenen getrieben, wo sie einem Millionenpuplikum beweisen müssen, dass sie ihr Geld wert sind. Während kriminelle Existenzen, wie Middelhof oder der ehemaliger Bahnschef Mehdorn ihr Unwesen Jahrzehnte lang treiben, bevor man sie als Nieten in Nadelstreifen entlarvt.

Kommunale Wirtschaftsbetriebe z. B. als GmbH, aus der Kern – Verwaltung heraus zu nehmen, um sie unternehmerisch zu führen, habe ich stets befürwortet. Heute nicht mehr. Ein GmbH – Gesetz von 1896 ist als Grundlage für eine Kommune ungeeignet und daher auch völlig unakzeptabel.

Intransparenz ist Gift für eine Demokratie

Unser Ziel sollte es also sein, die Türen unserer Parlamente wieder zu öffnen, primär unserer Aufsichtsräte. Denn wir haben einen gemeinsamen Feind, Das ist das steigende Desinteresse unserer Bürger vor allem der Jugend an der Kommunalpolitik, mit Folge der Wahlverweigerung. Das bedingt auch eine gemeinsame parteiübergreifende Strategie.. Ich schlage dazu einen Workshop, ähnlich kultur- oder Strukturanalyse zu planen und dann komme ich gern noch einmal wieder. Hainer Geißler ist auch nicht tot zu kriegen.

In der ewig diskutierten Frage, Staat vor Privat, oder Privat vor Staat. Habe ich keine feste Meinung. Sollen wir unsere staatliche Daseinsversorgung weiterhin privatisieren, komme ich zumindest ins Grübeln. Ich hatte das Glück mein Arbeitsleben mit einem jungen Mann in einem aufstrebenden Nachkriegsunternehmen zu beginnen, der über dreißig Jahre auch mein Big-Boss wurde. Er hieß Peter Gläsel nach der auch die bekannte Detmolder Stiftung benannt wurde. Er war Stiefsohn des Firmengründers Gottfried Gläsel, war ein gebürtiger Pastorensohn aus Dresden. Er war es, der mit seinen Devissions in kurzer Zeit aus einer Klemmenbude einen Internationalen Konzern machte. Mit Personalnummer 276 fing ich an und als ich ausschied, waren es bereits über 4. 000 MA weltweit. Er zeigte uns, dass man trotz der von ihm gelebten Menschlichkeit, christlicher Ethik und sozialer, Unternehmensstrukturen, ein Unternehmen erfolgreich führen und so in den Kreisen der reichsten Deutschen vordringen kann. Ich erlebte den bilderbuchartiken Aufstieg, aber ich erlebte auch, wie man in kurzer Zeit, das ganze leicht verspielen kann. Die Frage aber bleibt und ich würde heute behaupten, dass es eine Frage der Unternehmenskultur ist, in wie weit man nicht nur den eigenen Nutzen mehren, sondern auch dem Allgemeinwohl zu dienen hat.

Das Leben eines Fisches beginnt am Kopf, aber von dort fängt er auch zu Stinken an.

Damit möchte ich nun schließen,

herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und für die faire Zusammenarbeit, in all den vergangenen Jahren.

Nun zu guter letzt zum Jägermeister, dem berühmten Spruch in seinem Logo.

Das ist des Jägers Ehrenschild,
dass er beschützt und hegt sein Wild,
weidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

Was könnte das Ehrenschild eines Politikers sein.

Das er sich die Achtung vor der Schöpfung Gottes erhält.
Das er sich den Respekt und die Wertschätzung vor Mensch und Tier bewahrt.
Gleich welcher Partei, gleich welcher Hautfarbe, gleich welchen Glaubens.

Und mit des Jägers Klagelied, dritte und vierte Stophe möchte ich nun schließen.

Jetzt hängt die Jägertasche,
Die Schnalle bleibt nun zu!
Leer bleibt die Pulverflasche,
Der Hahn hat gute Ruh‘!
Die Jagd, sie ist geschlossen,
Verrostet ist´s Gewehr –
Das Pulver ist verschossen,
Der Hund, der steht nicht

Prost!

 

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