Nach dem Wald sehen.., Von einem Bauernsohn, der auszog, Wirtschaftsmanagern das vernetzte Denken zu erklären,

Text:

Oliver Geyer Journalist, Berlin im Dezember 2014

ein redaktioneller Beitrag zum Thema Industrie 4.0 „Vernetzt handeln“  für einen deutschen Sparkassenverband

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Die Geschichte, wie Rudolf Krome vom Bauernsohn aus Ostwestfalen-Lippe zu einem der Wegbereiter vernetzten Denkens und Handelns in der Wirtschaft wurde, beginnt auf dem Kartoffelacker. Wo auch sonst.

Auf diesen Acker am Rande des Teutoburger Waldes, von dem ihn sein außergewöhnlich vielseitiger Berufsweg ihn so weit fort geführt hat, ist Krome immer wieder gerne zurückgekehrt. In Gummistiefeln genauso wie in Gedanken. Er lebt noch heute auf dem Hof seiner Vorfahren und hat, da war er schon ein gefragter Vortragsreisender, der sein Publikum stets mit Analogien zwischen moderner Industriegesellschaft und Landleben begeistert. Manager, Führungskräfte, aus Wirtschaftskonzernen, Hochschulen und der öffentlichen Verwaltung hingen ihm gern an den Lippen. Denn der Bauernsohn referierte nicht. Er redete einfach. Mit seinem derbem westfälischem Zungenschlag nannte Krome die Dinge stets naturnah und deutlich beim Namen. So nutzte er jede Gelegenheit, ein weit verbreitetes Vorurteil bezüglich der angeblich dummen Bauern zu beseitigen.

Das tut er auch noch heute, zehn Jahre nachdem er sich aus dem aktiven Arbeitsleben zurückgezogen hat, wenn er ein Interview gibt. „Es sind die dümmsten Bauern, die die dicksten Kartoffeln haben?“, fragt Krome. Für ein paar Sekunden hört man in der Bauernküche nur das laute Ticken der Wanduhr und das Gurgeln der Kaffeemaschine. Dann wieder er, Krome, der seine Antworten auf seine eigenen Fragen gerne mit seiner lauten Landwirt-Lache einleitet: „Hehehe, nein, das sind lediglich dumme Sprüche einer ahnungslosen Stadtgesellschaft. Es sind natürlich die Erfahrenen, die Klügsten unter ihnen und was noch wichtiger ist, es sind diejenigen, die die biologischen Gesetze der Natur beherrschen und befolgen. Die natürlichen Wachstumsprozesse der Natur begleitend unterstützen und nicht zerstören. Mit diesem Wissen schaffen sie maximale Erträge und nicht mit Dummheit. Die Natur zeigt uns mit ihrer variantenreichen Vernetzung und Verzahnung, wie Wachstum funktioniert. Das läuft automatisch ab, seit millionen und abermillionen Jahren und dies Wunder der Natur nennt man auch Schöpfung. Was kann da falsch sein. Der kluge Bauer unterstützt diese festgeschriebenen Prozesse lediglich, er versucht es erst gar nicht, die Natur zu überlisten.

Das ist Kromes Lebensthema. Der Kleinbauer vom alten Schlag hatte noch alles im Blick, und zwar vom Einkauf der Pflanzkartoffel bis zur Vermarktung: Welche Kartoffelsorte er setzte, wie und auf welchem Boden er sie setzte, wie er sie zu pflegen, zu düngen hatte und wie er auf mögliche Krankheiten eine Antwort finden musste . Er pflegte seine Pflänzchen so gewissenhaft wie seine Kunden und seine Vertriebskanäle. Das tat er durch einen Plausch hier und da auf dem Markt, und das tat er, indem er von Haus zu Haus zog und die Hausfrauen und Köche persönlich befragte, ob die Qualität genehm war, ob sie weiche oder festkochende Kartoffeln bevorzugen und wie sie die Kartoffeln am liebsten geliefert bekommen möchten und das nennt man heute Marketing. Der kluge Bauer dachte und handelte immer mit Blick auf das große Ganze, auf die Erfahrungen der Vergangenheit genau so wie auf neue Zukunftsperspektiven in der Pflanzenzucht und der nachfolgenden Bearbeitungsmethodik und nicht zuletzt achtete er peinlichst auf die Umweltverträglich- und die Nachhaltigkeit seines Handelns. Er gilt als Erfinder der Kreislaufwirtschaft und produzierte ohne Abfall. Er fürchtete grobe Verletzungen der natürlichen Wachstumsprozesse. Seine Erfahrungen lehrten ihn, das wie auch jede Medizin erhebliche Nebenwirkungen auslösen konnten und nicht zuletzt in lang oder kurzfristige Ertragseinbusen endeten. Ein Verstoß schaffte ggf. gerade noch reiche Väter, doch arme Söhne, wie ein bäuerliches Sprichwort sagt. Mit all dem war er verwachsen. Er selbst war gewissermaßen schon sehr gut vernetzt.

Das alles zusammen, gepaart mit der nötigen Sozialkompetenz steht natürlich auch einem modernen Industriemanagement gut zu Gesicht und läuft heute unter dem Begriff Unternehmenskultur. Ein Thema also, dass somit auch auf fast keinem Unternehmerkongress fehlen darf.Es ist paradox, aber es war dieses Management by Kartoffelacker, das Krome beruflich so weit fort vom echten Kartoffelacker und hinauf aufs Rednerpult gebracht hat.

Geboren wurde er im Kriegsjahrgang 1944 in einem kleinen Bauerndorf in unmittelbaren Nähe der Residenzstadt Detmold im Fürstentum Lippen. „Bauernlummel wurden sie gern genannt. Jene Söhne, die als sogenannte Stammhalter geboren und traditionell den Beruf des Landwirts anzutreten hatten. Berufliche Alternativen für jene boten sich also kaum. Eigene Wünsche, berufliche Träume, wie damals Förster oder Lokomotivführer zu werden, waren tabu.Somit blieben sehr oft auch schulische Wünsche unberücksichtigt und beschränkten sich auf das Wesentliche.

Es kam jedoch anders. Die deutsche Landwirtschaft stürzte in den sechsziger Jahren in ihre erste tiefgreifende Strukturkriese. Wachsen oder Weichen war die Devise und er wich, wie viele seiner damaligen Kollegen. Er klopfte an die Tür eines schon damals erfolgreichen Industrieunternehmens in Lippe/Detmold und wurde als Hilfskraft im dortigen Werkzeugbau eingesetzt.

Es ist die Zeit, in der man auch als Ungelernter in einen Betrieb einsteigen und darin aufsteigen kann. Der deutsche Wirtschaftswunder-Motor hat genug Antriebskraft, um auch einem gelernten Landwirt Schritt für Schritt auf die sogenannte Teppichetage zu befördern: Ausbildung zum Werkzeugmacher, größeres Betriebspraktikum, interne und externe Fort- und Weiterbildung, Er übernahm die unterschiedlichsten Ingenieursfunktionen in einer aufstrebenden technischen Verwaltung, mit Fertigungssteuerung und diversen Planungsabteilungen für die Fertigung mit Anlagen, Sondermaschinen und Betriebsmittel. Und so weiter.

„Dass ich den ganzen Weg vom sogenannten Schraubstock 13 bis ins Ideen- und Innovationsmanagement, Controlling, Organisations- und Unternehmensentwicklung gegangen bin war mein großer Vorteil“, resümiert Krome. Auf dem Weg durch die Hierarchie wurde ihm immer klarer, was die größte Stärke, zugleich aber eine Archillesferse des Unternehmens war. „Das war damals der Taylorismus pur. Gedacht war die Zerstücklung von Arbeit in immer kleinere Einheiten, mit klaren Arbeitsanweisungen für die Fliehfertigung, Was der amerikanische Wissenschaftler Vincent Taylor mit seiner Philosophie jedoch ungewollt in den Verwaltungsmethropolen der westlichen Welt anrichtete, war um so schrecklicher. Man teilte die Unternehmen in zwei Ebenen. Die einen, die denken und die andere, die ausführen sollten. Das bewusste Einfrieren der Denkstrukturen in den Fertigungsabteilungen blieb nicht ohne Folgen. Es war die Zeit der Oberhemds oder auch der berühmt und berüchtigten Wasserköpfe. Der ganze Prozess, vom Einkauf über die Produktion bis zum Vertrieb war zerlegt worden in kleinste Teilbereiche mit Einzelverantwortlichkeiten. Jede Führungskraft wurde ein sogenannter Leiter. Leiter eines eigenen Kästchens im weitverzweigtem Unternehmensdiagramm. Doch es gab zu wenig Führungskräfte, die das große Ganze auch überblickten.“ Es gab zu wenige, wie den Bauern mit den dicken Kartoffeln, der den Gesamtprozess beherrschte. Betriebsstörungen und dynamisch steigende Reklamationen waren die Folgen und forderten immer mehr Betriebsstörungsbeseitiger und Reklamationsbearbeitungsabteilungen.

Alles ist rasant gewachsen und im Grunde immer noch sehr produktiv – aber eben auch zersplittert in ganz viele Abteilungen, die viel und egoistisch motiviert an sich und ihr Kästchen denken, dass es zu verteidigen gab. Abteilungen, die weder nach links und rechts noch nach oben und unten schauen und auch nicht so wirklich auf die Bedürfnisse der Kunden, um die es ja eigentlich gehen sollte. Lauter kleine Einheiten, die nach Kräften verhindern, dass andere tiefere Einblicke in ihre inneren Angelegenheiten gewinnen. Im Detail soll der geringste Fehler vermieden werden, während die Gesamtorganisation womöglich auf den großen Irrtum zusteuert. Aber es gibt zu wenige kompetente Fach- und Führungskräfte , die das kommen sehen.

Einer von ihnen ist Krome, der durch vielfache Funktionen der Vergangenheit den Betrieb und seine Mitarbeiter aus dem FF kannte und nun auch noch als Leiter des Betrieblichen Vorschlagswesens, alle nötigen Ebenen und Abteilungen des Unternehmen kennen lernt und der immer öfter aneckt, weil er Ungereimtheiten offen zur Sprache bringt –  in der etwas ungehobelten, aber mit vielen Metaphern aus der Landwirtschaft ausgeschmückten Sprache, die sein Publikum später sehr mögen wird. „Wir müssen Kartoffel pflanzen, weil wir immer Kartoffel pflanzen, aber wat bringt das, irgendwo Kartoffeln zu pflanzen, wo im Herbst das Wasser bis zum A….steht? Sowat macht ein guter Bauer nich! Der weiß vorher, dass das schiefgeht.“ Einer, der ähnliche Befürchtungen hegt, ist der Firmenchef des Unternehmens selbst. Der hat vor seinem Antritt im Unternehmen einige Jahre in den USA verbracht und hat die neusten Methoden für Prozessmanagement im Gepäck. Das traditionelle Durchregieren von oben nach unten will er nicht mehr. Da haben sich Zwei getroffen. „Ich war wegen meiner Art damals schon so eine Art Hofnarr, der sich frei durch den Laden bewegen und alles offen ansprechen konnte“, erinnert sich Krome. So wie der König früher einen Hofnarren brauchte, der ihn auch mit den unangenehmen Wahrheiten von ganz unten konfrontierte, so brauchte der jetzige Firmeninhaber einen wie Krome. Einen, der auch zu den Leuten vom Schraubstock einen guten Draht hat.

Krome, wir wachsen zu schnell. Die Distanz von ganz unten bis zum Chef ist zu groß geworden. Da müssen wir mit modernen Methoden und Instrumenten gegensteuern.“ „Herr Krome, Ihr neuer Job als Leiter unseres Vorschlagswesens ist eigentlich ganz einfach, sie müssen lediglich für stete Unruhe sorgen“ waren seine einführenden Worte „und ich werde auf sie aufpassen, dass ihnen keiner meiner Vorstände oder Prokuristen den Kopf abhaut.Und Krome brachte Unruhe in den Betrieb. Die monatlichen Aushänge durchgeführter Verbesserungsvorschläge, die mit zum Teil fünfstelligen Prämien bedacht belohnt waren, freuten die Einreicher und ärgerten die Führungskräfte. Zeigten sie doch mit gerade den hohen Einsparungspotenzialen manch großes Versäumnis der Formelorganisation in der Vergangenheit. Dazu bemerkte der Firmenchef einmal vor versammelter Mannschaft lachend: „Herr Krome, wenn man sie im oberen Führungskreis nicht liebt, dann soll man sie zumindest fürchten. Bald bekam Krome den Auftrag, ein firmenspezifisches Vorschlagswesen auf Grundlage des Japanischen „Kaizen“ einzuführen und die informellen Teams, Projektgruppen und Qualitätszirkel zu koordinieren. Kaizen wird von den Japanern aus dem Buddhismus abgeleitet und heißt Kai = Veränderung, Zen = zum Besseren. Das Wort ist noch nicht im Umlauf, aber im Prinzip läuft damals schon alles auf das große Thema der Zukunft hinaus: Vernetzung. Krome ist klar, dass das Vorbild des Kleinbauern, der als einzelner noch seinen gesamten Prozess kennt und in Eigenregie steuern kann, sich nicht einfach so auf ein Großunternehmen übertragen lässt. Dafür ist dort alles zu weitläufig geworden. Worauf es ankommt, ist den Informationsfluss zwischen allen Akteuren in Gang zu bringen – sie zu vernetzen und die Informationen irgendwo zusammen zu führen. „So ein Unternehmen muss wie ein lebender Organismus werden, wo das Gehirn noch merkt, wenn beim kleinen Zeh was wehtut“, sagt Krome. Dafür aber müsse die Informationsblokade, die historisch gewachsen, von dort unten, also vom Schraubstock, vom Gabelstapler oder vom Fließband kommen, geknackt und ungefiltert ganz oben ankommen. Es ist menschlich, dass normalerweise nur Erfolge nach oben gemeldet wird. Also setzt er mit seinem Vorschlagwesen gezielte Anreize, auch die Misserfolge zu berichten, und Vorschläge zu machen, wie es besser laufen könnte. „Wie ein Nervensystem, das alles, Angenehmes wie Unangenehmes, ans Hirn weiterleitet, damit die richtigen Entscheidungen gefällt werden können“, erklärt er. Wenn die unangenehmen Wahrheiten über Fehler im Prozess nicht ans Licht kommen, entstehen betriebswirtschaftliche Kloaken Wasserköpfe und Liebhaberreien in der Organisation. Das geht bis hin zu krimineller Energie, wie Bestechlichkeit und Korruption. Krome zeigt dies stets an Beispielen aus der Praxis und seine These lautet: Unternehmen, in denen informelle Netzwerke funktionieren, ist das kaum möglich. Kurz: Ineffizienz oder auch Verschwendung. Krome kennt das von Zuhause: „Dann heißt es: Wir müssten eigentlich mal den Zaun flicken, wenn wir nicht ständig auch die Hühner einfangen müssten“.

Man braucht einem wie ihm mit irgendwelchen Managementmoden im Grunde nicht zu kommen. Als Bauer kenne man das im Prinzip alles schon, sagt er. „Die Natur ist so genial, das sind Methoden, die sich seit Jahrmillionen bewährt haben. Woher nehmen wir die Arroganz, das zu missachten?“ Für das Modewort Nachhaltigkeit hat so ein traditioneller Landwirt nur ein müdes Lächeln übrig. Als sei das eine bahnbrechende Entdeckung. Eine von Kromes Lieblingsanekdoten geht so: „Eines Tages fragte mich der Boss, wann sich eine von unseren Innovationen, die wir durch das Vorschlagwesen angeleiert haben, denn mal für ihn auszahlen werde. Ich sage: So in vier Jahren, Chef. Sacht er: Wie, watt, erst in vier Jahren, die Automobilisten rechnen mit zwei Jahren. Ich sage: Chef, ich bitte Sie. Bei uns im Wald denken wir in Zyklen von 140 Jahren, bis wir den Baum, den bereits unser Urgroßvater gepflanzt hat, ernten können. Da sollten Sie mit vier Jahren doch ganz zufrieden sein.“

Die Kromes sind seit jeher auch Waldbauern. Rudolf Krome beschrieb den Managern deshalb, wenn es um komplexes Denken ging, gerne die regelmäßigen Baumandachten, zu denen er früher mit seinem Vater loszog. So nannten sie das, wenn sie sich eine halbe Stunde auf einen Baumstamm setzten, um den Wald zu betrachten. Denn man brauche Ruhe und Konzentration, um einen Wald zu verstehen. Eine ganz urwüchsige Lehrstunde in vernetzter Wahrnehmung: „Erst sieht man nur lauter Bäume, dann erkennt man allmählich: Der da ist in ein paar Jahren fällig, der da sieht schon etwas krank aus, aber wird von dem noch gehalten. Der da gibt dem neben ihm Schutz. Der Kleine da, das wird mal ein Baum für die Enkel. Und die Buchen außen werden gebraucht, um die Fichten weiter innen vor Sturmschäden zu schützen.“ Wenn man aus Gier zu viel rausschlage oder eine Monokultur schaffe, dann werde man die Auswirkungen irgendwann schmerzvoll zu spüren bekommen. Zum Beispiel wenn ein Orkan einen Großteil der Bäume umgeknickt hat, weil der Mischwald fehlte. „Wenn ich mir die Zeit nehme, das Ganze zu betrachten und in langen Zyklen zu denken, dann brauche ich keinen Beauftragten für Umweltschutz mehr“, sagt Krome. „Im Prinzip ist sowieso nur ökonomisch, was auch ökologisch sinnvoll ist.“ Aber in Unternehmen wird eben allzuoft der Wald – also das Ganze, Komplexe und Kontextuelle – vor lauter Bäumen nicht gesehen.

Gefragt ist vernetztes Denken und Handeln. Aber dies funktioniert in einer Organisation mit vielen hundert Mitarbeitern eben nur, wenn auch die Akteure untereinander gut vernetzt sind. „Ich hab mir in den 80er-Jahren meinen ersten PC für die Firma auf private Kosten gekauft“, sagt Krome, „der damalige Betriebsleiter wollte damals von dezentralen Rechnern noch nichts hören. Aber ich sah gleich das Potenzial“. Das Potenzial war: Die Informationen aus allen Teilen des Unternehmens schnell verfügbar machen. Sie so zur Verfügung stellen, dass an verschiedenen Stellen mit Blick auf das große Ganze Entscheidungen gefällt werden konnten. Und mehr noch: Informationen nicht nur aus dem Unternehmen, sondern auch von denen, um die es eigentlich geht: die Kunden. Was sind eigentlich ihre Wünsche und Bedürfnisse? Und auf welchem Weg möchten sie unsere Produkte am liebsten beziehen? Was hier aufschien, war die Möglichkeit, auf Kunden eines großen Unternehmens genauso persönlich zuzugehen wie der Bauer, der mit seinen Kartoffeln noch von Haustür zu Haustür fuhr. Die Anfänge, wie das Internet, E-Mail und die ganze Digitalisierung Einzug in sein Unternehmen erhielten, hat Krome noch miterlebt. Allerdings war er damals schon viel unterwegs. Die Wirtschaftspresse berichtete regelmäßig über sein erfolgreiches Ideenmanagement und Krome war nun ein gefragter Redner. Mitlerweile unterhält er auch ein eigenständiges Büro für Unternehmensberatung. Er tingelte von Podium zu Podium, von Kongress zu Kongress, um sein Wissen und seine Bauernweisheiten zum Besten zu geben und natürlich über die Kreativitätsvielfalt, Dynamik und Motivation des kleinen Mannes zu berichten.

Keiner ist so klug wie alle, heißt es im Vorschlagswesen. Als er sein Unternehmen verlässt, hat er ca. 20. 000 Mitarbeiterideen und Initiativen bearbeitet und davon sind ca. 50 % umgesetzt. Quantifiziert wurden zahlungswirksame Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe.Es sind zumeist nicht die genialen Blitzideen, die sogleich zum großen Wurf werden. Es sind vielmehr die kleinen aber vielseitigen Nadelstiche, die sich im Team oder im Dialog mit Fachspezialisten konkretisieren. Nicht selten aber sind es gerade die informellen Netzwerke, in denen sich Ideen synergetisch weiterentwickeln, eingefahrene Strukturen aufbrechen, oder im Patentamt landen.

Es ist nicht so, als wüsste er nun als Rentner auf dem Hof der Familie nicht, was er mit seiner Zeit anfangen soll. Nach dem Interview recherchiert Krome noch ein bisschen zum Thema „Unternehmen als lebender Organismus“ im Netz und schickt die Informationen nach. „In einem funktionierenden Unternehmen hat man automatisch eine Art Vernetzung“ ist da zum Beispiel zu lesen. „Es bildet eine Ganzheit, in dem alles mit allem kommuniziert.“ So wie auf einer artenreichen und duftenden Bergwiese oder in dem Wäldchen, den der Ruheständler von seinem Schreibtisch immer sehen kann.

Hier noch meine persönlichen Anmerkungen zur Entstehung der o.a. Glosse!

Über solch einen traditionellen Bauern, der in meinem o. a. Artikel die Hauptrolle spielt, müsste heute bereits Artenschutz verhängt werden, denn diese Landmänner sind vorm Aussterben bedroht.

Ich hatte bereits vor 20 Jahren, die Gelegenheit an moderierten Zukunftsszenerien teilzunehmen und somit die gewaltigen synergetisch wirkenden Prozesse kennen zu lernen, die bereits mit der Digitalisierung „Industrie 3.0“ begannen. Die, jetzt lediglich mit der Vernetzung 4.0 konsequent weiter geführt werden. Man muss kein Prophet zu sein, um sofort zu erkennen, dass nichts bleibt, wie es einst mal war.

Wie aber sollte man dies einem einfachen Menschen erklären, ohne die Hilfe der Herren Professoren? Davon gibt´s genug.

Dazu fiel mir, wie immer wieder die Natur ein, die uns die genialste Vernetzung in Milliarden von Jahren geschaffen hat. Unsere Industriegesellschaft sollte nicht so überheblich sein, diese göttliche Schöpfung toppen zu wollen.

Gestern z. B. konnte ich auf dem Lippischen Bauernmarkt in Lage erkennen, dass wohl die Maschinen immer gewaltiger werden, der Kreis unserer Bauern jedoch immer kleiner wird.

In meiner Geschichte spreche ich vom Typ Bauern, also von jenen Landmännern, die wie die Natur von der Vielfalt leben und nicht von Mono. Von Landwirten, die noch immer im Sinne des Wortes auch Landwirte sind..

Bereits schon vor 50 Jahren begann man jedoch die Landwirtschaftliche Erzeugung immer stärker zu Ökonomisieren und heute wird der Agrarmarkt durch die sogenannte Agrarindustrie beherrscht. Der Bauer spielt da keine Rolle mehr. Sie werden ersetzt durch Agrarfabriken. Das funktioniert ähnlich wie die damakute Kollektive des Ostens. Da gibt´s halt wie in der Industrie nur noch die Spezialisten. Milch-. Fleisch- Getreide- oder Energieproduzenten mit ihren „Brigadieren“, den Ausführenden. Keinen Allroundmenschen oder Lehnmanager mehr, der noch den Gesamtprozess Landwirtschaft beherrscht.

Also kaum noch einen, wie in meiner kleinen Geschichte  erwähnt wird.

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